Demographische Entwicklung

Einleitung

„Seit Anfang der 1970er Jahre ist jede Generation von Deutschen um rund ein Drittel kleiner als ihre Elterngeneration. Zugleich werden wir immer älter. Wir haben im Durchschnitt rund vier Jahre länger zu leben als unsere Eltern… der Trend steht fest: Während sich in manchen Teilen Afrikas und der arabischen Welt die Bevölkerung schon in den nächsten 50 Jahren fast verdoppeln könnte, wird sie in Deutschland schrumpfen, und sie wird altern“.

Weiterhin zeigen die veranschlagten Vorausberechnungen, welche auf Daten des Statistischen Bundesamtes beruhen, auf, dass die Zahl der über 60- Jährigen an der Gesamtbevölkerung Deutschlands bis 2010 um 3,2 Prozentpunkte zunehmen wird, auf dann 25,6 Prozent. Weiter verdeutlicht wird dieses durch eine Betrachtung der Haushalte,  in denen im Jahre 2005 zu 22 Prozent ausschließlich Menschen über 65 Jahren lebten.

Dieser Entwicklung zu Grunde liegend, ist es voraussichtlich unausweichlich, dass politische und gesellschaftliche Prämissen angepasst und notfalls über- bzw. neu erarbeitet werden müssen. Jedoch ist die Annahme zu treffen, dass nicht nur Politik und Gesellschaft sich dieser Veränderungen stellen müssen.

Ursachenbetrachtung

Die derzeitige Lebenserwartung in Deutschland liegt im Vergleich zum europäischen Schnitt immer noch leicht unter dem Meridian, jedoch erhöht sich dieser Wert stetig. Die mittlere Lebenserwartung ist derzeit bei Frauen im Jahr 2002/2004 mit 81,6 Jahr angegeben und bei Männern mit 76 Jahren, damit stieg die Lebenserwartung seit 1990 bei Frauen um 2,81, bei Männern um 3,76 Jahre. Die Geschlechterdifferenz hat sich im benannten  Zeitraum von 6,5 auf 5,6 Jahre verringert. Nach Informationen des Statistischen Bundesamtes ist gleichzeitig die Zahl der Neugeborenen, wie auch der Sterbefälle leicht zurückgegangen. Für 2006 wird etwa mit 630–640.000 Tsd. Neugeborenen gerechnet, denen voraussichtlich 820–830.000 Tsd. Sterbefälle gegenüber stehen. Ein Resultat, das sicherlich größtenteils auf die geringe Geburtenrate, die aktuell bei einem Wert von 1,331 Kindern je Frau liegt, zurückgeht. Es ist somit davon auszugehen, dass diese nicht ausreichen wird, um dauerhaft die Bevölkerungszahl in Deutschland konstant zu halten bzw. zum Ansteigen zu bringen. Dieses ist kein temporärer Trend, sondern ein sich seit längerem abzeichnender Dauerzustand, dargestellt in Tabelle 1.

Tab. 1: Zusammenfassende Übersichten – Geborene und Gestorbene

(Quelle: In Anlehnung an Statistisches Bundesamt, 2007)

Die Zahl der Zuwanderungen hat gegenüber den Auswanderungen im Jahre 2007 voraussichtlich wieder zugenommen. Für 2006 wurde ein Zuwanderungsüberhang von 23.000 Menschen verzeichnet. Für das Jahr 2007 wird mit einem Zuwanderungsüberhang von ca. 35–45.000  Menschen gerechnet. Dennoch ist auch dieses eine Größe, die nicht ausreicht, um die überproportional höheren Sterbefälle gegenüber der Zahl der Neugeborenen auszugleichen bzw. zu egalisieren. Weiterhin sei erwähnt, dass Ende 2006 die Bevölkerungszahl mit etwa 82,31 Millionen Menschen leicht unter dem Vorjahresniveau von 82,44 Millionen Bundesbürgern am Ende des Jahres 2005 lag. Auf den ersten Blick scheint dieses möglicherweise nicht von allzu großer Bedeutung, jedoch wie die Vergangenheit zeigte und aller Voraussicht nach auch die Zukunft belegen wird,  können die sich darstellenden quantifizierten Größen das Bild der Altersstruktur in Deutschland dauerhaft und nachhaltig verändern.

Die Veränderung der Altersstruktur – Von der Pyramide zum Pilz

Die Veränderung der Altersstruktur wird häufig präsentiert anhand der sich transformierenden „Alterspyramide“, hin zur so genannten Pilzform. Die aktuelle, graphisch präsentierte Bevölkerungsstruktur zeigt im folgendem die Abbildung 2, welche zum einen die aktuelle Altersstruktur aufzeigt zum 31.12.2005, im Vergleich dazu die von 1950. Die ursprüngliche Pyramidenform ist zu erkennen, gegenüber der heute aktuellen Pilzform. Um einen ganzheitlichen Blick zu ermöglichen, ist der Abbildung 2 noch ein realistischer Altersaufbau mit angefügt, der relativ genau das Jahr 2050 prognostizieren dürfte. Hier sind zwei Annahmen getroffen worden, die aufgrund unterschiedlicher Vermutungen, was die Zuwanderung betrifft, zustande kommen. Zum einen wird ein Rückgang der Gesamtbevölkerung bis 2050 um 17 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands prognostiziert, bei konstanter Geburtenrate. Dieses ist durch die blaue Randlinie dargestellt, die so genannte Untergrenze der mittleren Bevölkerung. Beim zweiten möglichen Szenario wird lediglich ein Bevölkerungsabschmelzen um 10 Prozent veranschlagt, dargestellt durch die Obergrenze der mittleren Bevölkerung, ersichtlich aus der gelben Randlinie. Wie genau sich schlussendlich die Gesamtbevölkerung in der Bundesrepublik bis in das Jahr 2050 entwickelt, wird aber nur die Zukunft zeigen. Abschließend kann jedoch davon ausgegangen werden, dass es sich bei der momentanen demographischen Verschiebung nicht um ein kurzfristig auftretendes Phänomen handelt, sondern, dass dieser Trend auch zukünftig anhalten wird. Nicht umsonst wird in der einschlägigen Literatur von einer Wandlung der generativen Altersstruktur gesprochen. Die Verstärkung der Pilzform schreitet weiter voran. Das hat zur Folge hat, dass es immer mehr Rentenempfänger und immer weniger Beitragszahler gibt. In der Folge ist die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr in der Lage eine angemessene Altersrente zu zahlen. Das führt schon heute bei vielen Rentnern zur Altersarmut und der Staat wird auch in der Zukunft weiter gezwungen sein, die Rentenansprüche noch weiter zu kürzen. Die schrittweise Verschiebung der Altersgrenze für die gesetzliche Rente von 65 auf 67 ist nur eine Maßnahme um das jetzige Rentensystem aufrecht zu erhalten. Wer seinen finanziellen Standard im Alter beibehalten möchte muss privat (z. B. mit der Riester Rente) und betrieblich vorsorgen.

Abb.: Bevölkerungsstruktur Deutschlands

(Quelle: In Anlehnung an Statistisches Bundesamt, 2006)